…und was, wenn man einen kleinen Hund verliert?
Immer mal wieder war von Abschied die Rede und so langsam wurde es ernst. Die Defender Family hatte nicht mehr viel Reisezeit übrig, wollte aber noch nach Griechenland und von dort die Fähre nach Ancona nehmen. Wir redeten davon, uns alle in Griechenland wieder zu treffen, denn auch unsere Wege (Polarvux und TWIY) würden sich zunächst bald trennen. Wir waren am 04.09.2021 mit Sonja und Lars auf Naxos verabredet. Sonja ist Juttas Schwester und Lars ihr Mann.
Aber noch wollten wir gemeinsam etwas Offroad fahren. Martina hatte natürlich wieder eine tolle Strecke ausgearbeitet. Die fahren wir noch gemeinsam und danach fährt die Defender Family weiter zum Ohrid See, der zwischen Albanien und Nordmazedonien liegt. Was wir danach machen war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Ich weiß noch, dass es nach Peshkopie ging, aber nicht mehr den Einstieg in die Offroad Strecke. Martina war unser Navigator und ich konnte es genießen, mich um nichts kümmern zu müssen, außer hinterher zu fahren. Das ging bis zum Einstieg auf die Piste auch ganz gut, denn auf Asphalt war ich von uns dreien der Schnellste.
Das sollte sich sehr bald ändern, denn als wir abbogen und die Straße keine Straße mehr war, sondern nur noch eine von Schlaglöchern übersäte Piste. Mal mehr Sand, mal mehr Geröll und die Löcher meist voll von Wasser, was den Schwierigkeitsgrad erhöhte, da man nie wusste, wie tief diese Löcher waren. Da verlor ich an Tempo.
Jutta bemerkte wieder mal, das sie sowas nicht freiwillig fahren würde, wenn es denn eine alternative, bessere Route geben würde und dass sie keinen Bock hat über einen längeren Zeitraum auf so einer Piste zuzubringen. Diese Einstellung änderte sich zum Glück sehr bald.

Schritt halten konnte ich erstmal nicht mit HP, vorweg mit dem 10 Tonnen LKW und auch mit Rafa und seinem Defender nicht. Erstmal sehen was sich hinten in der Kabine so tut auf dieser Strecke, wie sich LEMMY macht und wie es sich für mich als Fahrer und damit Verantwortlicher für Sicherheit der Insassen und des Fahrzeugs, anfühlt. Ich muss sagen, es fühlt sich gut an und besser mit jedem weiteren Kilometer.
Sogar Jutta wird immer entspannter und ich kann das Tempo etwas steigern. Schau mal, da vorne sind auch die Anderen wieder zu sehen. Die Strecke ist mal wieder traumhaft und Jutta wird entschädigt mit grandiosen Ausblicken auf die albanische Bergwelt, weitab der Zivilisation. Wir sind ziemlich hoch, sehen nur andere Berge, Wolken und keine Menschenseele. Hier und da ein kleiner Bunker, hin und wieder ein kleiner Minibus, der die Leute von A nach B bringt, die wirklich abseits leben.

Langsam wird es Zeit für eine kleine Kaffeepause. HP kümmert sich um den Kaffee, wir anderen machen ein paar Fotos und schauen uns einen dieser Bunker am Wegesrand hoch oben in den Bergen an. Die beiden Hunde, Padme und Lupo genießen den kleinen Aufenthalt für etwas Bewegung und einer Pinkelpause. Mehr Platz als für ein paar wenige Menschen bietet so ein Bunker nicht. Solche Schutzräume sehen wir sehr häufig auf unseren abseitigen Routen. So, Kaffeepause ist vorbei und wir starten wieder durch.
Verabredet ist, an jeder Gabelung, wo unklar ist, in welche Richtung es weiter geht, wird gewartet. Defender vorweg und LEMMY als nächstes hinterher. HP holt uns sowieso wieder ein. Da hält Rafa plötzlich, wir warten hinter ihm. Er steigt aus und tauscht mit Mariella den Platz, jetzt fährt sie wohl weiter. Was ist das? Plötzlich fährt der Defender weiter und eine Drohne steigt auf, während der Fahrt. Rafa filmt. Wir fahren hinterher. Die Drohne fliegt auf uns zu. Mariella fährt vorweg, nicht ganz so schnell wie Rafa, aber dennoch zügig. Guck dir das an, sie filmen auch uns. Wie geil ist das denn! Kurz darauf fliegt die Drohne zum fahrendem Defender, Rafa nimmt sie durch das geöffnete Fenster entgegen. Dann halten sie wieder. „Lass uns weiter fahren“, sage ich zu Jutta. „Sie sind eh schneller als wir und kriegen uns wieder ein.“ Ok!
Wir fahren weiter, nun an erster Stelle und ich sehe nichts im Rückspiegel. Das kommt uns langsam komisch vor. Wo bleibt der Defender, wo HP mit dem LKW? An einer breiten Ausbuchtung der ansonsten sehr schmalen Piste halte ich an.

„Wie wäre es mit einer eiskalten Limo und mal nachfragen was da los ist?“,sage ich zu Jutta. Gute Idee. Ich trinke die letzte Lemon Soda, das beste Kaltgetränk (außer Bier) in Albanien und höre nur „Ach du Scheiße, oh nein!“ und denke „Fuck, was ist jetzt los?“ Jutta hat bereits Nachricht erhalten über Whatsapp.
Padme, der kleine Hund der Defender Family ist weg. Wie sich später herausstellt, hat sich Rafa beim Annehmen der Drohne verletzt und muss von Mariella an der Hand verarztet werden. Deshalb hatten sie den Wagen gestoppt und Sophie und Padme sind aus dem Auto gestiegen. Eingestiegen ist neben Rafa und Mariella nur Sophie. Padme nicht. Niemandem ist es aufgefallen. Wir litten total mit, schickten Stoßgebete gen Himmel und dachten nur, hoffentlich geht das gut aus.
Wir haben bereits zwei Katzen verloren und wissen, was es heißt ein geliebtes Tier zu verlieren. Noodles, unsere erste Katze hat den Umzug in unser neues Heim nicht überlebt, wegen einer stark befahrenen Straße. Wir fanden sie, nachdem sie tagelang vermisst wurde und wir noch hofften, sie sei in irgendeiner Garage eingesperrt, auf einem Feld, jenseits der Straße von unserem Haus. Sie war bereits hart gefroren und wir heulten uns die Augen aus, weil wir ahnten, wie sehr sie wohlmöglich noch gelitten hat. Denn offensichtlich konnte sie sich noch auf das Feld schleppen, bevor sie einsam dort in der Kälte starb. Verletzungen äußerlich sahen wir nicht. Zoe, unsere zweite Katze wurde 15 Jahre alt. Sie hatte ein super Leben und sogar die Straße überlebt, mit einem Beckenbruch zwar, aber der verheilte, nachdem wir sie in einem Karton mit einem Gitter als Deckel einsperren mussten, damit sie sich nicht auf die Hinterbeine stellen konnte. Aber irgendwann begann der Prozess des Alterns und sie wollte nicht mehr. Sie fraß nicht mehr richtig und wurde immer dünner. Nach diversen Arztbesuchen und einigen Versuchen mit Medikamenten und Aufputschnahrung verkroch sie sich nur noch unter unserem Bett im Schlafzimmer. Sie kam kaum noch zum Kuscheln, obwohl sie früher immer kam, wenn ich nach der Spätschicht zur Tür rein bin und noch mit einem Bier auf der Couch Fernsehen schaute. Ich spürte wie ihr Herz immer langsamer schlug, als wir sie bei unserer Tierärztin einschläfern ließen, hielt sie fest und hatte meine Hand bis zum zum letzten Herzschlag bei ihr. Waren bei ihr bis sie starb. Wir waren todunglücklich, aber doch auch hatten wir Frieden und etwas Trost mit der Tatsache gefunden, dass wir sie auf diesem letzten Weg begleiten konnten. Nun liegt sie mit Noodles zusammen in unserem Garten begraben und für uns sind sie beide gemeinsam glücklich im Katzenhimmel.
Wir warteten. Ich weiß nicht genau wie lange, wir tranken noch eine Limonade, kein Lemon Soda mehr. Wir haben einen 80 Liter großen Kühlschrank, da geht schon ein bisschen was rein, wenn man es vernünftig organisiert und gut packt. Dann passen auch einige Biere rein, worauf ich immer besonders Wert lege. Nichts geht über ein eiskaltes Bier nach einem langen oder anstrengendem oder besonders schönem, oder nervigen Reisetag. Heute war es ein sehr aufregender Reisetag und ich hätte wohl Lust auf ein eiskaltes Bier, aber ich fahre noch. Also besser nicht. Rafa fährt zurück, dorthin wo sie zuletzt gehalten haben, hören wir vom Polarvux Team. Sie suchen Padme. Wie wollen sie die Kleine nur finden? Wird Padme dort warten, wo sie zurück gelassen wurde? Wie wahrscheinlich ist es, dass der Hund wartet und nicht einfach irgendwohin läuft? Das Padme selber anfängt zu suchen und umherirrt?
Nach einer Weile sehen sie ein kleines Mädchen mit einem großen Hund an der Piste stehen. Mariella beschreibt sie später als einen Engel. Sie fragen das Mädchen, ob sie einen kleinen Hund gesehen hat. Das kleine Mädchen zeigt nach oben, einen kleinen Berghang hinauf und dort sitzt Padme und wartet darauf abgeholt zu werden. Wir alle sind überglücklich, als uns diese Nachricht erreicht.

Jetzt wird diese fantastische Offroadpiste noch zu Ende gebracht und nur noch genossen. Die Ausblicke, die gut ausgegangene Geschichte mit Padme und auch das mittlerweile erlangte Vertrauen in das Material von Kabine und von LEMMY. Wir fühlen uns immer wohler, trauen uns immer mehr zu und sind auch bald, wenn wir auf uns allein gestellt sind, gut gerüstet, denken wir. Was jetzt noch fehlt, ein Platz für die Nacht. Mariella und Rafa brauchen Wlan und haben einen kleine Campingplatz rausgesucht. Den steuern wir an. Die erste kleine Flussdurchfahrt steht an, dann sind wir da. Nicht viel los hier. Nur noch ein anderer Camper, mit Dachzelt. Ein Schweizer Pärchen mit zwei Kindern.
Grüner Rasen, Bäume außen rum und eine kleine Feuerstelle. Sogar ein Bächlein fließt vorbei. Netter Platz hier, aber HP ist schon wieder unterwegs mit Lupo. Rafa steht schon, Jutta ist auch schon klar wie wir stehen sollten. Da kommt HP zurück. „Hey Leute, da unten direkt am Fluss ist es perfekt!“ Wir schauen es uns an. Ich bin ebenso begeistert wie HP, Jutta teil meine Freude nur mäßig. Ist doch gut hier, wo wir sind. Eine zweite, etwas tiefere Flussdurchfahrt würde anstehen und der viele Müll, von alten Schuhen, Knochen und dem üblichen Plastiktüten, Verpackungen, Flaschen und Kleinteilen kann Jutta kaum ertragen. Trotzdem fahren wir rüber an den Fluss, durch die Furt, über Geröll und finden unseren perfekten Stellplatz.
HP ist noch mit Lupo unterwegs und Martina fragt mich, ob sie denn wohl den LKW schonmal rüberfahren soll? „Klar! Ich fahre ja vorweg, folge nur meiner Spur“, sage ich. Sie tut wie geheißen und bringt den LKW heile rüber. HP sieht auch schon, was vor sich geht und gibt letzte Kommandos an Martina vor der Furt und dann steht auch der LKW. Rafa scheint hinten zu bleiben und wir denken: „Vielleicht wollen sie einfach mal für sich sein.“ Plötzlich entfaltet sich der Charme des neuen Stellplatzes sogar bei Jutta und ich vernehme: „Wow, geil ist das hier!“ Wir stehen zwar auf Stein und Geröll, aber die Nähe zum Wasser und die Berge in der Ferne drumherum, das hat schon was. Das Wasser ist klar und eine Feuerstelle ist auch schon ausgemacht. HP und ich sammeln schon mal Feuerholz für den Abend. Wir schleppen Treibholz an, sägen, hacken und stapeln. Werkzeug haben wir beide. Da kommt Rafa mit seiner Family. Auch sie haben sich entschlossen bei uns am Fluss zu stehen.


Ich nehme noch kurzentschlossen ein Bad im eiskalten Fluss und wasche mir die Haare und mich selbst. Sophie kommt mit und findet Gefallen an der Idee sich im Fluss zu waschen und überredet Mariella. So widmen sich die Beiden nach mir der Körperhygiene im Fluss.
Die Defenders wollen noch Essen und etwas Trinken in der Bar am Campingplatz. Wir sind alle damit einverstanden. Jutta geht schon mit, HP und ich bereiten noch das Lagerfeuer vor, es soll ja ein paar Stunden brennen. Ich habe vor, heute Nacht etwas Musik mit meiner JBL Boombox am Lagerfeuer zu spielen. In der Bar essen wir lecker, trinken ein paar Bier und plaudern etwas mit den Schweizern. Sie spricht fließend griechisch, warum habe ich vergessen und auch der Bar- und Campingplatzbetreiber spricht griechisch.
(Wir sind mittlerweile in der Türkei, in der Nähe von Ephesus auf dem Deleri Motel & Campingplatz)
Sie sind fast seit einem Jahr unterwegs, mit VW Caddy und Dachzelt und zwei kleinen Kindern. Erstaunlich für uns, zu viert so zu reisen, mit so wenig Komfort. Naja, egal!

Sie erzählen uns, es wäre doch besser, wenn wir vom Fluss dort, wo wir stehen, weiter zurücksetzen und mehr Abstand halten. Der Wirt sagt, hin und wieder, in unregelmäßigen Abständen werden die Schleusen des Staudammes geöffnet und dann würden wir unter Wasser stehen. Es wäre nicht gefährlich, aber die Reifen und Autos wären ca. 40-50 cm unter Wasser. „Wann würde denn das immer passieren?“, bitten wir die Schweizerin den Wirt zu fragen. Das wisse er nicht, denn die Schleuse ist in Nordmazedonien.

Wir lassen es darauf ankommen. Was wir dann erleben ist ein wunderschöner Abend am Lagerfeuer. Ich genieße es ungeheuer meine Musik zu spielen. Ich spiele meine Lieblingssongs von Spotify in einer bestimmten Reihenfolge und nicht zu hart. Hin und wieder spiele ich Wunschsongs von Allen in der Runde. So gehen einige Stunden hin und es wird ein unvergesslicher Abend. Das Lagerfeuer brennt, abwechselnd legen wir nach, HP und ich. Einige Biere fließen, eine Menge Holz wird verbrannt und als letzten Song spiele ich laut und etwas wehmütig der drohenden Trennung dieses perfekt harmonierenden Dreiergespanns „Do you realize“ von den Flaming Lips.
(Kennenlernen durfte ich diesen wunderschönen Song durch meinen Job als Requisiteur am Theater Bremen, wo ich seit 1992 beschäftigt bin. Das war vor 2 Jahren, als wir die LULU Produktion aus Stuttgart eingekauft haben mit den wundervollen Darstellern, u. a. dem begnadeten Musiker Miles Perkin, der eben diesen Song coverte und bei jeder Lulu Aufführung am Ende jeder Vorstellung spielte.)
So endete auch dieser Abend, mit einem wunderschönem Song, mit einem guten Gefühl, mit einem abgebranntem Feuer, mit einer Umarmung und mit einer einigermaßen betrunkenen Bettschwere.
Danach ging alles viel zu schnell. Wir fuhren weiter, zu dritt, Ziel sollte der Ohrid See sein. War es auch. Noch eine tolle Offroad Piste, kein Problem für Jutta. Mittagspause. HP hatte den Stop für die Pause gewählt, er hat halt einen guten Blick dafür, das kann ich bestätigen.

Aber hier liegt viel Müll. Ich denke, hier wäre eine gute Gelegenheit, den Platz deutlich sauberer zu hinterlassen, als vorgefunden. Sophia, magst du mir helfen, frage ich? Sie ist gleich begeistert und bekommt meinen zweiten Greifer und wir sammeln den ganzen Müll in einer großen Tüte.

Wir finden eine Menge Plastikflaschen, Dosen, Kippen, Tüten, Zigarettenschachteln, Deckel von Flaschen ohne Ende und so allerlei Shit und da fragt sie mich, ein siebenjähriges Mädchen: „Warum schmeißen die Leute ihren Müll einfach so hin, wir haben doch nur diese eine Welt?“ Ich wusste nicht was ich ihr sagen sollte. Nach einer Weile, die ich mir zum Nachdenken nahm, da sagte ich ihr, das ich es nicht weiß, warum die Menschen das tun. Hier und jetzt beschlossen wir noch gemeinsam am Ohridsee eine weiter Nacht zu verbringen.

(Notiz am Rande, gerade läuft „Helter Skleter von „Rob Zombie“ auf meiner Boom Box und ich sitze auf dem DERELI BEACH MOTEL & CAMP und Jutta sagt ich bin zu laut)
Jetzt sind wir wieder on the road again, das heißt auf Asphalt unterwegs und dementsprechend kommen wir, für albanische Verhältnisse, zügig voran. Am Ohridsee angelangt essen wir zusammen. Die Wahl ist fish or meat. Wir wählen Fisch und sind sehr zufrieden mit der Wahl. Danach gab es den obligatorischen Raki und wir trinken noch etwas, bevor wir erschöpft, nach einem langen Tag ins Bett fallen. Nun ist es tatsächlich soweit und unsere Wege trennen sich. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen mit Rafa, Mariella, der kleinen Miss Sophie, dem Hündchen Padme und dem Defender. Ein Abschiedsfoto und ab dann sehen wir uns nur noch über Instagram. Aber immerhin. Es war fantastisch mit euch. Bye bye….

The Defender Family auf dem Weg nach Griechenland und wir auf dem Weg Richtung Küste in Albanien. Martina ging es nicht gut. Die Route aber stand. Jutta hatte einen Campground bei Vlores ausgeguckt, Martina einen Platz weiter nördlich. Erstmal ging es aber gemeinsam Richtung Küste. Und wieder, wie immer, hat Martina eine tolle Offroad Strecke erarbeitet, die ihr absolut gerecht wurde. Sie war nicht zu anspruchsvoll für mich, sie war schön und auch nicht zu lang für Jutta. Den Abend zuvor, am Ohrid See hatte ich Ihr gesagt, sie möchte nicht zu lange Strecken wählen, die sehr unbequem sind, das würde Jutta nicht sehr gefallen. Und auch dieses mal hat sie die perfekte Strecke gewählt.

Leider ging es ihr wirklich schlecht und wir verständigten uns nach der Mittagspause darauf, nach Vlores zu fahren, dem Platz, der Jutta und mir entgegen kam, da er südlich lag und wir eh nach Süden wollten. Mal wieder ging es über Stock und Stein, langsam bergauf und bergab, hin und wieder Gegenverkehr, der mal passiert werden musste und mal passieren lassen musste und dann wieder Asphalt. Pause. Jetzt müssen wir entscheiden, Norden, oder Süden. Bisher war Martina immer unser Navigator. Diesmal sagten wir, wir fahren nach Süden, nach Vlores. Polarvux stimmte zu und kam mit. Die Fahrt war relativ unspektakulär. Irgendwann hielt HP kurz an, um mal eben die vier Reifen mit den vier installierten Reifendruckluftpumpen aufzupumpen. Dann ging es weiter.


Der Platz war perfekt, wir stehen in der ersten Reihe, die Sonne geht gerade unter. HP ist zu weit gefahren und muss umkehren. Die erste Reihe ist voll. Sie finden trotzdem einen guten Platz in zweiter Reihe und wir trinken und genießen den Abend und den Sonnenuntergang gemeinsam direkt am Meer. Morgen könnt ihr umparken und nach vorne in die erste Reiher fahren, sagt der deutsch sprechende Camp Betreiber. Aber ich mache einen schlechten Scherz und kreide mir anschließend an Verantwortlich zu sein, das Polarvux vorzeitig die Segel gestrichen hat.
Schon vor einer ganzen Weile hatte ich mit Jutta darüber gesprochen. evtl. etwas über das Polarvux Team nach Deutschland zurück transportieren zu lassen. Wir hatten uns nur nie getraut zu fragen. Sie wollten schließlich Ende Oktober zurück nach Deutschland. Lass uns einfach mal fragen. Ich habe festgestellt, dass meine Camera EOS 450 D, mein Stativ und unser Brennstoffkocher nur Ballast ist. Ich habe damit nur Streß, ich will das nicht benutzen. Wenn wir das loswerden können, dann laß uns das versuchen.
Und ich frage und Martina sagt HP muss das entscheiden, er ist der Lademeister beim Lkw. HP sagt:“ Kein Problem.“ Er hat Platz für unseren Stuff und sie nehmen es mit nach Oldenburg. Wir sind sehr glücklich damit und am nächsten Morgen sehr überrascht, als es früh um 8:00 schon an der Tür klopft. HP und Martina wissen, dass ich gerne ausschlafe bis 9:30.
„Hallo, wir fahren gleich weiter Richtung Norden. Martina will noch die Sachen im Norden nachholen, die wir ausgelassen haben. „, sagt Hans Peter. OK, schade. Wow. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Ich bin wirklich traurig. Sie fahren vom Platz und wir winken hinterher. Weg sind sie. Das wars, erst waren wir allein, dann zu zweit mit Polarvux, dann zu dritt mit The Defender Family, danach wieder zu zweit und jetzt wieder allein. So what!
Was mich danach beschäftigt hat: Hat es an meinem schlechten Scherz gelegen? Das kann nur Martina beantworten. Ich erlaubte mir den Scherz zu machen: „Wenn ihr zuhause seit, dann kann ja Sonja (Juttas Schwester kommt auch aus Oldenburg) unseren Stuff bei euch abholen, dann bleibt uns das erspart.“ Ich hielt das für witzig in dem Moment, war es aber wohl nicht wirklich.
Wir fahren die Südroute weiter, immer entlang am Meer. Über den Llogara Pass und treffen auf „Dandovueltas“ auf dem Weg nach Griechenland, auf der Schleppfähre…
…aber vorher wollte ich noch kurz was sagen, über die verrückte Fahrweise einiger und das eigenartige Parkverhalten vieler Albaner. Eilig haben sie es alle, wo ist das nicht so? Hier aber hat man das Gefühl, als ob es um Leben und Tod geht. Es wird überall überholt, egal ob vor einer Bergkuppe, vor einer Kurve, oder besonders kurios (allerdings das meist in den Ballungsräumen von Shkodra oder Tirana) aus der eigenen Reihe, wenn sich der Verkehr staut. Dann wird ohne Rücksicht auf Verluste ausgeschert und in den Gegenverkehr gefahren. Ich habe das mehrmals erlebt. So auch, als wir durch Shkodra nach Tirana unterwegs sind. Links, in meiner Gegenrichtung staut sich der Verkehr, ich habe freie Fahrt. Da schert ein Mercedes aus und kommt mir ziemlich schnell auf meiner Spur entgegen. „Was zur Hölle soll das?“, denke ich mir und halte weiter drauf. So ein Vollidiot! Ich sehe wie er bremst und vor mir zum Stehen kommt. Ich fahre ihm dicht vor die Haube und gucke runter zu ihm. Nichts zu sehen, eine schwarzgetönte Scheibe, kein Fahrer zu erkennen. Sein Warnblinklicht geht an und nun staut es sich hinter mir. „Ja, du blöder Idiot!“, denke ich wieder. „Nun seh mal zu wie du da drüben wieder in die Spur kommst.“ Ich sehe ihn in Gedanken vor mir, wie er da sitzt in seinem Mercedes, mit hochgezogenen Schultern, als wolle er sagen: „Ich kann doch auch nix dafür.“ Schnell lässt ihn jemand einfädeln und es geht weiter.
Ich wünschte mir in solchen Situationen manchmal etwas mehr Gelassenheit. Wie ticken diese Leute? Fühlen sie sich nicht völlig bescheuert, plötzlich mit dem Unvermeidlichen konfrontiert zu werden und dann darauf angewiesen zu sein, von denen, die überholt worden sind, wieder in die eigene Spur gelassen zu werden? Ich würde mir mächtig blöd dabei vorkommen. Sind es verzogene Jungs, die denken, die Regeln gelten nur für andere, oder Mafiagören, die meinen sie können eh tun was sie wollen? Im Nachhinein dachte ich mir, was wenn er da hinter seiner getönten Scheibe plötzlich ne Knarre auf mich richtet, weil ich ihm aggressiv entgegenkam? Den Gedanken verwerfe ich schnell wieder. So oder so ähnlich erlebe ich es häufiger.
Eine andere Situation war auf einer wundervollen Passstraße. Wieder ein schickerer Wagen, diesmal mit nur drei Buchstaben. Er genießt die Fahrt mit seiner Freundin und schleicht vor mir her mit ca. 15-20 Kmh. Es geht durch einen schnuckeligen kleinen Ort und ist entsprechend eng zwischen den Häusern, an überholen nicht zu denken. Das geht eine ganze Weile so und ich fahre ihm auch schon zu dicht auf, bemerkt Jutta. „Ja, er soll doch merken, dass ich vorbei will. Vielleicht lässt er mich dann!“, erwidere ich. Irgendwann endet der Ort und ich wittere meine Chance nach ein paar Kurven. Jetzt oder nie! Eine kleine einsehbare Gerade taucht auf und ich setze den Blinker und ziehe vorbei. Im zweiten Gang mit viel Gas. Er gibt auch Gas. Was soll das schon wieder? Ich bin richtig sauer, bleibe auf dem Gas und sehe ein anderes Auto mir entgegenkommen. Er ist neben mir und ich komme nicht vorbei mit meinen 3,5 Tonnen. Ich lasse meine Hand auf der Hupe und ziehe langsam rüber zu ihm. Er sieht es schließlich auch, da kommt was von vorne. Jetzt bremst er und ich ziehe vorbei und wieder auf meine eigen Spur. Ich fluche und schimpfe noch etwas und beschließe nach dieser Situation, da muss ich was zu schreiben. Was soll sowas? Warum macht er das? Will er seiner Freundin was beweisen? Das er das schnellere Auto hat, wissen wir beide. Es wird mir, wie so Vieles was unterwegs geschieht, ein Rätsel bleiben, was da in seinem Kopf vorging. Nach einer Weile habe ich mich wieder beruhigt.
Was das Parken angeht, da frage ich mich auch oft, wieso so? In zweiter Reihe wird ja ständig geparkt. Nichts besonderes hier. Es wird auch überall geduldet, so scheint es zumindest. Aber wenn ich korrekt parke und noch im Auto sitze, während Jutta einkauft und dann in zweiter Reihe zugeparkt werde, obwohl vor mir genug Platz ist für noch zwei PKW, dann frage ich mich wieder, was stimmt mit dir nicht?

So geschehen in Vlores. Rechts stehen einige Autos am Bürgersteig, überall zwischen drinnen große Lücken. Aber, warum in eine Lücke fahren, wenn es doch soviel bequemer ist einfach in zweiter Reihe zu parken? Das dachte der Pickup Fahrer sich wohl auch, der sich schräg vor mich stellt, so dass ich rechts an ihm nicht vorbeikomme mit meinen 2,50 cm Breite und links schon gar nicht, weil die Spur nur noch von kleinen PKW passiert werden kann. Jetzt parkt auch noch einer hinter mir und ich komme auch rückwärts nicht weg. Andere von hinten kommende Autos hupen schon. Der Fahrer ist im Obstladen und denkt sich wohl, wird schon gehen. Er guckt raus und die kleinen Autos fahren im Schritttempo an seinem Pickup vorbei. Jutta kommt auch schon wieder und er ist wieder im Laden verschwunden. Er steht nun also schräg links vor meiner Haube und ich will weiter. Was soll ich tun? Ich hupe laut und unmissverständlich. Er guckt raus aus dem Laden, ich deute auf sein Auto. Er deutet neben seinen Pickup. Die Anderen sind doch auch vorbeigefahren, scheint er signalisieren zu wollen. Er scheint tatsächlich nicht in der Lage zu sein die Situation in Gänze zu erfassen. Er begreift nicht, das ich rückwärts nicht rauskomme und weder links noch rechts an ihm vorbei kann. Ich schüttle verständnislos den Kopf. Er begibt sich zu seinem Fahrzeug und entfernt es dort. Ich kann unsere Reise fortsetzten, einmal mehr ratlos, ob es nur Ignoranz ist oder mangelnde Verkehrserziehung, schlechte Ausbildung oder einfach nur Dummheit. Aber egal jetzt, wir sind auf dem Weg zur Grenze nach Griechenland. Die wollen wir heute unbedingt noch erreichen.
So geht es nun also immer an der Küste entlang und wir erleben wieder unglaublich schöne Ausblicke aus dem Auto. Wir müssen uns gelegentlich bewusst machen, wie schön das alles ist hier und dass es mitnichten selbstverständlich ist, dass wir dieses wundervolle Land bereisen und die tollen Ausblicke genießen dürfen. Man gewöhnt sich so schnell daran und es wird zum Alltag, diese ganzen grandiosen Momente und hinter jeder Kurve ein neues Fotomotiv zu entdecken. Aber es ist nicht selbstverständlich und wir sind dankbar alles erleben zu dürfen.

Irgendwann am Nachmittag erreichen wir Saranda und mir fällt ein, wir brauchen noch einen Albanienaufkleber für LEMMY. Das sollte in diesem Badeort wohl kein Problem sein. Ich parke, nicht ganz korrekt, aber ohne andere Fahrzeuge zu blockieren. Nach ein paar Shops und einen ziemlich netten Eindruck von diesem gut erschlossenem Küstenort werden wir fündig. Die Flagge mit schwarzem Doppeladler auf rotem Grund. Ich bin zufrieden, verstaue den Sticker und weiter geht es.
„Ich glaube da kommt noch eine Fähre vor der Grenze!“, sagt Jutta. „Echt?“, frage ich erstaunt. Tatsächlich, da steht schon ein Camper. Warum fährt er nicht? Ich stehe hinter ihm und sehe, dass er mich vorbeiwinkt. Jetzt erst sehe ich die Fähre, klitzeklein und aus Holz. Ein grüner Van ist bereits darauf. Der Fährmann winkt mich her. Es scheint noch einer draufzupassen. Der andere Camper, der mich vorbei gewunken hat, war wohl anderer Meinung. Ich fahre langsam rauf, am Van vorbei, gucke nach meinen großen LKW-Spiegeln. Passt. Raus komme ich nicht mehr aus dem Auto, zu dicht bin ich am Van dran. Aber es ist nur eine sehr kurze Überfahrt. Ich stehe mit der Haube noch hinter der Beifahrertür des Vans und eine Frau steigt aus und filmt. Die Fähre setzt sich in Bewegung und wird an zwei Seilen, die plötzlich aus dem Wasser auftauchen, gezogen. Wir staunen und freuen uns über diese schöne Fährpassage und denken, dass wir doch sicherlich auch auf dem Film auftauchen müssten. Was steht denn da am Auto bei denen? „Mama-en-ruta mit dem Instagramsymbol steht da. Die schreibe ich an!“, sagt Jutta. So kommen wir später an ein Video mit uns auf der Fähre. Und so bekamen wir Kontakt zu DANDOVUELTAS, die wir noch wiedertreffen sollten, später in Griechenland und auch in der Türkei.
Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Grenze. Das erste Mal, dass wir wirklich alles vorzeigen mussten. Inklusive einer Onlineanmeldung (Formular PLF), in dem diverse Daten und Informationen eingetragen werden mussten. Die Impfpässe und die Autopapiere, alles wurde gecheckt, sogar in die Kabine wurde geschaut. Wir hatten nichts dagegen, sie machen halt auch nur ihren Job. Ab jetzt geht es auf griechischem Boden weiter.
….und was als nächstes geschieht….
Greece Chapter – 1
…und wie ich das Geheimnis um das verlassene Bergdorf Skeponi lüfte…

So, jetzt bin ich mit eich bis nach Naxos gereist. Viele Erinnerung kamen hoch, besonders beim Bericht von Montenegro und Albanien. Das Valbonatal konnten wir damals nicht bereisen, die Strasse hätte unser Womo gänzlich zerlegt. Aber jetzt mit dem Oman steht die Gegend um Teth wieder auf der Liste. Und Lust auf Griechenla d habt ihr uns auch gemacht. Bin schon gespannt wie es weitergeht . Schreib mal ein bisschen schneller. Ihr seid ja schon in Georgien und wir Leser sind noch in Greece.😉
Lieber Manfred,
ich arbeite daran schneller zu werden, Angela hat mir das auch schon vorgeworfen zu langsam zu sein. Ich habe am Anfang zu sehr geschlurrt und muss es nun ausbaden. Greece – Chapter II ist gerade online gegangen. Türkei – Chapter I werde ich demnächst angehen. Viel Spaß beim weiter lesen. Und Danke für den Kommentar.